Aktivrente kommt – doch viele arbeitende Ruheständler gehen leer aus

Das ist die Lage: Schon heute arbeitet in Deutschland fast jeder achte Rentner. Nach Daten des Mikrozensus 2024 sind 13 von 100 Deutschen im Alter von 65- bis 74-Jahren erwerbstätig; bei Männern liegt die Quote mit 16 Prozent über der der Frauen (10 Prozent).
Mit steigendem Alter sinkt der Anteil logischerweise deutlich: Von den 65- bis 66-Jährigen arbeiten noch 18 Prozent, bei den 73- bis 74-Jährigen nur 8 Prozent.
Was jetzt kommt: Die Bundesregierung hat am 15. Oktober 2025 den Gesetzentwurf für die Aktivrente beschlossen. Wer die Regelaltersgrenze überschritten hat und als Arbeitnehmer weiterarbeitet, soll bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei verdienen können. Start ist 1. Januar 2026, - nach zwei Jahren ist eine Überprüfung vorgesehen.
Was wir nicht verstehen: Selbstständige sowie Beamte sind explizit nicht begünstigt. Die Entlastung beziffert das Finanzministerium auf bis zu 890 Millionen Euro jährlich.
Was das für die Praxis bedeutet:
- Viele profitieren gar nicht: Rund die Hälfte der arbeitenden Ruheständler ist geringfügig beschäftigt; für Minijobber greift die Steuerbefreiung kaum, weil ohnehin wenig oder keine Einkommensteuer anfällt.
- Minijob-Grenze gestiegen: Seit 1. Januar 2025 liegt die Verdienstgrenze eines Minijobs bei 556 Euro pro Monat(2024: 538 Euro).
- Arbeitszeiten: Erwerbstätige Rentner arbeiten meist reduziert. 39 Prozent weniger als zehn Stunden pro Woche; 14 Prozent kommen auf mehr als 40 Stunden, vor allem Selbstständige. Für sie gilt die Aktivrente nicht.
Unsere Einordnung:
Die Aktivrente setzt einen finanziellen Anreiz, qualifizierte Ältere länger im Beruf zu halten. Zielgruppe sind sozialversicherungspflichtige Beschäftigte über der Regelaltersgrenze.
Zwei strukturelle Lücken bleiben: Zum einen ist ein hoher Anteil der arbeitenden Rentner in Minijobs, bei denen die neue Steuerbefreiung kaum wirkt. Zum anderen bleibt die große Gruppe der Selbstständigen außen vor – obwohl sie überdurchschnittlich häufig lange Arbeitszeiten leisten.
Quellen: Statistische Auswertungen und Berichte zum Mikrozensus 2024 (u. a. n-tv/WELT-Zusammenfassungen), Pressemitteilung des Bundesfinanzministeriums zur Aktivrente (15. 10. 2025), Informationen des BMAS/Minijob-Zentrale zur Minijob-Grenze 2025.
